
Inhaltsverzeichnis
- Wichtige Hinweise zu Beginn
- Vampirklassiker 1830 – 1839
- Nikolai Wassiljewitsch Gogol: Вий (1835) [A] [g]
- Edgar Allen Poe: Berenice (April 1835) [X] [g]
- Edgar Allen Poe: Morella (Mai 1835) [X] [g]
- Théophile Gautier: La morte amoureuse (23. und 26. Juni 1836) [V] [g]
- Thomas Peckett Prest: The Wood Devil; or, The Vampire Pirate of the Deep Dell (1836) [V] [g]
- Anonym: The Vampire Knight and his Cloud Steed (1837) [V] [g]
- Edgar Allen Poe: Ligeia (Oktober 1838) [A] [g]
- Edgar Allen Poe: The Fall of the House of Usher (1839) [A] [g]
- Joseph Sheridan Le Fanu: Strange Event in the Life of Schalken the Painter (1839) [A] [g]
- John Bowring: Vampires (1839) [V] [g]
- weitere Blogartikel der Reihe „Die Vampirliteratur im 19. Jahrhundert“
- Lust, über den Blogartikel zu reden?

1. Wichtige Hinweise zu Beginn
In Teil 1 (Einleitung) dieser Blogreihe erfährst du u.a.
- nach welchen Kriterien ich die vorgestellten Geschichten ausgesucht, wie ich sie sortiert habe, und warum auch Geschichten in der Übersicht enthalten sind, in denen keine Vampire vorkommen,
- was die Abkürzungen [V], [A], [X], [g] und [u] bedeuten,
- welche Abschnitte spoilerfrei sind und in welchen du mit Inhalts-Spoilern rechnen musst,
- warum das Nichtvorhandensein von Inhaltswarnungen nicht bedeutet, dass die Geschichten keine Triggerthemen beinhalten und mit welchen Problematiken du aufgrund des Alters der Geschichten rechnen musst, und
- welche Texte ich aus welchen Gründen nicht in die Übersicht übernommen habe.
Falls du die Einleitung noch nicht gelesen hast, findest du sie hier.

2. Vampirklassiker 1830 – 1839
Nikolai Wassiljewitsch Gogol: Вий (1835) [A] [g]
Kurzinhalt:
Ein Student wird gebeten, am Grab einer Frau, der nachgesagt wird, eine Hexe zu sein, Grabwache halten.
Meine Ausgabe und Sekundärliteratur:
Eine deutsche Übersetzung der Geschichte ist unter dem Titel “Der Wij” in der Anthologie “Von denen Vampiren” enthalten. 1
Eine englische Übersetzung mit dem Titel “Viy” findet sich in der Anthologie “Dracula’s Brethren”. 2 Der Geschichte vorangestellt ist eine kurze Einleitung über den Autor und die damalige Veröffentlichung von “Vij”, sowie über die in der Geschichte enthaltene Figur des Wij. 3
In “Das Vampir-Lexikon” geht der Autor kurz auf Gogol und die Geschichte “Der Wij” ein. 4
In den Anthologien „The Vampire Archives“, 5 und „Vampyres“ 6 wird die Geschichte als Beispiel für eine Vampirgeschichte erwähnt, ist in dieser jedoch nicht enthalten.
Anmerkungen (enthalten Spoiler):
In der vorliegenden Geschichte ist die Untote keine Vampirin, sondern eine Hexe, die Menschen Blut aussaugt und nach ihrem Tod als Untote wiederkehrt, um ihren Tod zu rächen. Das Blut trinkt die Hexe, während sie noch am Leben ist. Ob sie auch nach ihrem Tod noch Blut trinkt, wird in der Geschichte nicht beantwortet.
Die Veröffentlichung erfolgte 1835 im Sammelband “Миргород “ (Mirgorod). 7 Die russische Online-Bibliothek FEB spricht unter Verweis auf Briefe von Gogol vom Zeitraum zwischen 20. Februar und 10. März. 8
Edgar Allen Poe: Berenice (April 1835) [X] [g]
Kurzinhalt:
Egäus möchte seine Cousine Berenice heiraten und entwickelt eine Obsession für ihre Zähne.
Meine Sekundärliteratur:
Die Geschichte wird in folgenden Anthologie als Beispiel für eine Vampirgeschichte angeführt, ist in dieses aber nicht enthalten:
Barger, der Herausgeber der Anthologie “The Best Vampire Stories 1800-1849”, hält es hingegen für zu weit hergeholt, die Geschichte als Vampirgeschichte zu interpretieren. 11
In „The Vampire Book“ geht Melton kurz auf Poes Leben ein. Er weist darauf hin, dass Poe nie eine ausdrückliche Vampirgeschichte geschrieben hat, aber manche seiner Geschichten vampirähnliche Elemente enthalten. 12 „Berenice“ wird als ein Beispiel für eine Geschichte von Poe, die als Geschichte mit Vampirmotiv interpretiert wird, genannt. 13
Anmerkungen (enthalten Spoiler):
Die Geschichte wurde 1835 in der Zeitschrift “Southern Literary Messenger” erstveröffentlicht. 14 Es handelte sich um die Märzausgabe. Laut die Edgar Allan Poe Society of Baltimore wurde diese um den 17. April veröffentlicht. 15
In der Geschichte kommt kein Vampir vor. Die Interpretation mancher Anthologie-Herausgeber als Geschichte mit vampirischen Elementen liegt wohl an der Fokussierung auf Zähne, Berenices aufgrund ihrer Erkrankung todesähnlichem Aussehen und dem Element des Lebendig-Begraben-Werdens (Nach einem epileptischen Anfall mit Starrsucht wird Berenice für tot gehalten und lebendig begraben. Besessen von ihren Zähnen gräbt Egäus sie aus, zieht ihr alle Zähne und tötet sie dabei). Mir geht die Interpretation als Vampirgeschichte zu weit.
Edgar Allen Poe: Morella (Mai 1835) [X] [g]
Kurzinhalt:
Der Protagonist erträgt den Anblick seiner Frau nicht mehr. Als sie erkrankt, sehnt er sich nach ihrem Tod.
Meine Sekundärliteratur:
Die Geschichte wird in der Anthologie „The Vampire Archives“ als Beispiel für eine Vampirgeschichte angeführt, 16 ist in dieser aber nicht enthalten.
Barger, der Herausgeber der Anthologie “The Best Vampire Stories 1800-1849”, hält es für zu weit hergeholt, die Geschichte als Vampirgeschichte zu interpretieren. 17
In „The Vampire Book“ geht Melton kurz auf Poes Leben ein. Er weist darauf hin, dass Poe nie eine ausdrückliche Vampirgeschichte geschrieben hat, aber manche seiner Geschichten vampirähnliche Elemente enthalten. 18 „Morella“ wird als ein Beispiel für eine Geschichte von Poe, die als Geschichte mit Vampirmotiv interpretiert wird, genannt. 19
Anmerkungen (enthalten Spoiler):
Veröffentlicht wurde die Geschichte 1835 in der April-Ausgabe des Southern Literary Messenger. 20 Diese wurde laut Edgar Allen Poe Society of Baltimore um den 14. Mai 1835 veröffentlicht. 21
In der Geschichte kommt kein Vampir vor. Vielmehr geht es um Wiedergeburt. Morella stirbt bei der Geburt ihrer Tochter, ihre Seele geht dabei auf ihre Tochter über. Die Beschreibung Morellas folgt Vampir-Ästhetik (kalte, bleiche Haut), als sie stirbt, sagt sie “I am dying, yet shall I live” und prophezeit ihrem Mann, dass er sie, auch wenn er sie als Lebende verabscheut hat, nach ihrem Tod lieben werde. Die gemeinsame Tochter, die der Protagonist abgöttisch liebt, entwickelt sich, je älter sie wird, immer mehr zu Morella Ebenbild, sowohl äußerlich als auch charakterlich. Eine Szene gegen Ende deutet an, dass dies kein Zufall ist, sondern Morella tatsächlich in ihrer Tochter wiedergeboren wurde. Mir geht die Interpretation als Vampirgeschichte zu weit.
Théophile Gautier: La morte amoureuse (23. und 26. Juni 1836) [V] [g]
Kurzinhalt:
Ein Priester verliebt sich in eine Frau, die von den Toten zurückkehrt.
Meine Ausgaben und Sekundärliteratur:
Eine deutsche Übersetzung der Geschichte findet sich in folgenden Anthologien:
- mit dem Titel “Die liebende Tote” in der Anthologie “Von denen Vampiren”. 22 Im literarischen Bericht des Buches gehen die Herausgeber kurz analysierend auf die Geschichte ein. 23
- mit dem Titel “Clarimonda” in der Anthologie “Vampire – 16x Grauen mit Frauen” enthalten. 24
Eine englische Übersetzung ist in diesen Anthologien enthalten:
- mit dem Titel “Clarimonde” in der Anthologie “The Best Vampire Stories 1800-1849”. 25 Der Geschichte ist eine kurze Einführung vorangestellt, in der der Herausgeber auf die ursprünglichen Veröffentlichungen und Übersetzungen der Geschichte und auf ein paar inhaltliche Besonderheiten eingeht. 26
- mit dem Titel “The Deathly Lover” in der Anthologie „Dracula’s Guest – a Connoisseur’s Collection of Victorian Vampire Stories“. 27 Der Geschichte vorangestellt ist eine kurze Einleitung, in der kurz auf den Autor und die Veröffentlichung der Geschichte ein, nennt hierbei aber fälschlicherweise 1843 als Veröffentlichungsjahr. 28
In der Anthologie „Vampyres“ wird die Geschichte als Beispiel für eine Vampirgeschichte angeführt, 29 ist in dieser aber nicht enthalten.
In “Das Vampir-Lexikon” geht Jänsch kurz auf Gautier und den Inhalt der Geschichte ein. 30
„The Vampire Book“ enthält eine Biografie von Gautier. 31
Anmerkungen (enthalten Spoiler):
Die Geschichte trieft nur so vor schwülstigen Liebesbekundungen und Schnulz. Bei modernen Geschichten würde es mir in einem solchen Fall die Zehennägel kräuseln. Aufgrund des Alters der Geschichte dulde ich dies und finde es eine unterhaltsame Abwechslung zu den oft eher trockenen Schreibstilen vieler anderer Klassiker.
Das Aussaugen von Blut wird in der Geschichte mit Erotik verbunden: Als sich Romuald in den Finger schneidet, saugt Clarimonde das Blut mit “unbeschreiblicher Wollust”, genießt es “wie ein Schlemmer seinen [kostbaren] Wein” und küsst zwischendurch die verletzte Hand. 32
In den Beschreibungen wird das Priesterleben mit Tod und dämonischem Verhalten in Verbindung gebracht, während die “dämonische” Clarimonde pure Lebenslust verkörpert. Romuald vergleicht sein Priestergewand mit einem Leichentuch und assoziiert das Leben in Kirche und Kloster mit eisigen Schatten. Priestertum steht für die Abkehr vom Schönen und wird mit Leichen, Trauer, Grab und Kerker in Verbindung gebracht.
Als Pfarrer Serapion Clarimondes Leiche ausgräbt, wirkt die Szene auf Romuald, als ob sie beide Grabschänder seien, Serapions Gesichtszüge beschreibt er als dämonisch. Auch während Clarimondes Hinrichtung wirkt Serapions Verhalten mehr wie das eines Fanatikers als eines rechtschaffenen Mannes: er schreit voller Wut, schwenkt das Weihwasser wild herum und wird als “unerbittlich” bezeichnet. Im Gegensatz zu den meisten anderen Vampirgeschichten wirkt der Mann, der den Vampir tötet, in “La morte amoureuse” somit keineswegs wie ein Held.
Die Geschichte wurde 1836 in der Zeitschrift “La Chronique de Paris” erstveröffentlicht. 33 Die französische Nationalbibliothek spricht von einer Veröffentlichung aufgeteilt auf 2 Teile am 23. und 26. Juni 1836. 34
Thomas Peckett Prest: The Wood Devil; or, The Vampire Pirate of the Deep Dell (1836) [V] [g]
Kurzinhalt:
Tom und Clara leben bei der 108-jährigen Urilda. Deren Gatte, ein Pirat namens Genano, wurde vor vielen Jahren hingerichtet. Es heißt, dass sein Geist noch immer in den Wäldern spukt. Als Tom den Baum, unter dem Genano begraben ist, fällen will, erscheint Genano und bietet ihm einen Handel an.
Meine Ausgabe:
Die Geschichte ist auf Englisch in der Anthologie ”Night’s Black Agents” enthalten. 35 Im Vorwort geht der Herausgeber kurz auf die Geschichte ein, eine ausführliche Kommentierung ist jedoch nicht enthalten. 36 Der Anhang enthält eine kurze Biografie von Prest. 37
Anmerkungen (enthalten Spoiler):
Die Veröffentlichung erfolgte laut dem Herausgeber der Anthologie „Night’s Black Agents“ 1836 im “The Penny Play-Book; or, library of dramatic romance”, in dem Theaterstücke in Geschichten umgewandelt wurden. 38
Genano wird in der Geschichte ausdrücklich als Vampir bezeichnet. Um sein Leben zu verlängern, muss er einmal im Jahr eine junge, tugendhafte Frau heiraten und opfern. Ob er hierbei ihr Blut trinkt, oder sie auf andere Weise tötet, wird nicht erwähnt. Er kann Körper anderer Menschen übernehmen und verfügt über weitere magische bzw. dämonische Kräfte.
Anonym: The Vampire Knight and his Cloud Steed (1837) [V] [g]
Kurzinhalt:
Emina, die Tochter von Mustafa Pasha, dem Herrscher von Khaniá, wurde muslimisch erzogen, möchte jedoch zum Christentum konvertieren. Davon ausgehend, dass ihr Vater dagegen ist, schleicht sie sich mit einer Freundin regelmäßig heimlich in die Kirche. Dort lernt sie Theodoros kennen und die beiden verlieben sich ineinander. Doch Youssuf, Mustafas Lieblingsneffe, der vorhatte Emina zur Frau zu nehmen und bereits Mustafas Segen hierzu hatte, erlangt Kenntnis von Eminas heimlichen Ausflügen.
Meine Ausgabe:
Die Geschichte ist auf Englisch in der Anthologie “The Vampire of Vourla“ enthalten. 39 Der Geschichte vorangestellt ist eine kurze Einleitung über Inhalt, Griechenlandbezug und Veröffentlichung der Geschichte. 40
Anmerkungen (enthalten Spoiler):
In der Geschichte kommt kein echter Vampir vor. Da psychische Erkrankungen in ihrer Heimat stigmatisiert und aufgrund Aberglauben mit Übernatürlichem in Verbindung gebracht werden, spielt Emina vor, von einem Vampir besessen und dem Wahnsinn verfallen zu sein, um der Zwangsehe mit Youssuf zu entgehen. Theodoros unterstützt sie, in dem er nachts als Vampir-Ritter verkleidet in der Umgebung “spukt”.
Die Erstveröffentlichung erfolgte 1837 im “The Keepsake” für das Jahr 1838. 41 Die Website viktorianresearch.org nennt als Veröffentlichungsmonat November. 42
Edgar Allen Poe: Ligeia (Oktober 1838) [A] [g]
Kurzinhalt:
Der Protagonist liebt seine Frau Ligeia aus ganzem Herzen. Nach ihrem Tod heiratet er erneut, obwohl sein Herz noch an Ligeia hängt. Als seine 2. Frau erkrankt, berichtet sie von seltsamen Geräuschen und Schatten.
Meine Sekundärliteratur:
Die Geschichte ist auf Englisch in der Anthologie “The Vampire Archives” enthalten. 43 Der Geschichte vorangestellt ist eine kurze Einleitung über den Autor und die Veröffentlichung der Geschichte. 44
In der Anthologie “Dracula’s Brethren”, 45 wird die Geschichte als Beispiel für eine Vampirgeschichte angeführt, ist in dieser jedoch nicht enthalten.
Anmerkungen (enthalten Spoiler):
Barger, der Herausgeber der Anthologie “The Best Vampire Stories 1800-1849”, hält es hingegen für zu weit hergeholt, die Geschichte als Vampirgeschichte zu interpretieren. 46
In „The Vampire Book“ geht Melton kurz auf Poes Leben ein. Er weist darauf hin, dass Poe nie eine ausdrückliche Vampirgeschichte geschrieben hat, aber manche seiner Geschichten vampirähnliche Elemente enthalten. 47 „Ligeia“ wird als ein Beispiel für eine Geschichte von Poe, die als Geschichte mit Vampirmotiv interpretiert wird, genannt. 48
In der Geschichte kommt kein Vampir vor, aber die tote Ligeia übernimmt den Körper der 2. Ehefrau, als diese stirbt und kehrt so in das Leben zurück. Ein paar Tage zuvor, sieht der Protagonist, wie aus einer unsichtbaren Quelle ein paar Tropfen roter Flüssigkeit – die man als Leser*in aufgrund der Farbbeschreibung natürlich als Blut interpretiert – in das Getränk der 2. Ehefrau tropfen. Nach diesem Ereignis geht es mit ihrem Gesundheitszustand rapide bergab. Ich interpretiere dies dahingehend, dass Ligeia aus dem Reich der Toten heraus mit ihrem Blut den Tod der 2. Ehefrau herbeigeführt hat, um deren Körper übernehmen zu können.
Die Geschichte wurde 1838 in der Septemberausgabe des “Magazins American Museum of Literature and the Arts” erstveröffentlicht. 49 Laut die Edgar Allan Poe Society of Baltimore erschien diese Ausgabe im Oktober 1838. 50
Edgar Allen Poe: The Fall of the House of Usher (1839) [A] [g]
Kurzinhalt:
Ein Mann besucht einen alten Freund, der in einem unheimlichen Anwesen wohnt.
Meine Sekundärliteratur:
Die Geschichte wird in folgenden Anthologien als Beispiel für eine Vampirgeschichte angeführt, ist in diesen jedoch nicht enthalten:
Barger, der Herausgeber der Anthologie “The Best Vampire Stories 1800-1849”, hält es für zu weit hergeholt, die Geschichte als Vampirgeschichte zu interpretieren. 53
In „The Vampire Book“ geht Melton kurz auf Poes Leben ein. Er weist darauf hin, dass Poe nie eine ausdrückliche Vampirgeschichte geschrieben hat, aber manche seiner Geschichten vampirähnliche Elemente enthalten. 54 „The Fall of the House of Usher“ wird als ein Beispiel für eine Geschichte von Poe, die als Geschichte mit Vampirmotiv interpretiert wird, genannt. 55
Anmerkungen (enthalten Spoiler):
In der Geschichte kommt kein Vampir vor, sie enthält jedoch Elemente, die typisch für Vampirgeschichten sind sowie eine von den Toten wiederkehrende Frau.
Die Geschichte spielt in einem alten Anwesen, das von einer unheimlichen Aura umgeben ist. Der Hauseigentümer, Roderich Usher, leidet an einer ungewöhnlichen, vererbten Erkrankung, die unter anderem dazu führt, dass er bleich wie eine Leiche ist, krankhaft verschärfte Sinne hat, nur geschmacklose Nahrung essen kann und bestimmte Stoffe, Düfte und Geräusche nicht verträgt. Er ist schwermütig, hat sein Haus schon seit Jahren nicht mehr verlassen und glaubt, dass das Haus Einfluss auf seine Psyche nimmt.
Als der Protagonist ihn besucht, ist Roderichs Schwester, Lady Magdalen, schwer krank. Auch Magdalen ist gespenstisch blaß, ihre Schritte wirken, als würde sie schweben, sie ist apathisch und hat immer wieder kataleptische Anfälle. Magdalen stirbt während des Besuches. Acht Tage, nachdem sie in der Familiengruft beerdigt wurde, ist Roderich davon überzeugt, dass Magdalen lebendig begraben wurde und zurückkehren werde, um sich an ihm zu rächen. Tatsächlich erscheint Magdalen in ein Leichentuch gehüllt und tötet ihren Bruder. Der Protagonist flieht, das Anwesen stürzt hinter ihm auf übernatürliche Weise zusammen. Aufgrund der Umstände der Geschehnisse ist davon auszugehen, dass Magdalen nicht als Überlebende, sondern als Untote aus dem Grab zurückkehrt ist.
Die Erstveröffentlichung erfolgte 1839 im Magazin “Burton’s Gentleman’s Magazine, and American Monthly Review. 56 Laut die Edgar Allan Poe Society of Baltimore erschien das Magazin im September 1839. 57
Joseph Sheridan Le Fanu: Strange Event in the Life of Schalken the Painter (1839) [A] [g]
Kurzinhalt:
Im Haus eines Freundes entdeckt ein Mann ein vom Maler Schalken gemaltes Portrait einer schönen Frau. Sein Freund erzählt ihm, welche unheimliche Geschichte hinter dem Bild steckt.
Meine Ausgabe und Sekundärliteratur:
Die Geschichte ist in der Anthologie “The Best Vampire Stories 1800-1849” enthalten. 58 In der Einführung zur Geschichte geht Barger kurz auf die Geschichte und den niederländischen Maler Godefridus Schalcken ein. 59
“The Vampire Book” enthält eine Biografie von Le Fanu 60 und geht an mehreren Stellen auf sein literarisches Schaffen, insbes. die Novelle “Carmilla”, ein.
Anmerkungen (enthalten Spoiler):
In der Einführung zur Geschichte in der Anthologie “The Best Vampire Stories 1800-1849” weist Barger darauf hin, dass die Geschichte oft als Geistesgeschichte statt als Vampirgeschichte interpretiert wird und führt die Gründe an, wieso er sie als Vampirgeschichte ansieht. 61
Die Figur des Malers Schalken ist keine fiktive Figur, sondern der echte niederländische Maler Godefridus Schalcken. 62 Die Geschichte verbindet somit reale Historie und Fiktion. 63
Die Geschichte lässt die Frage offen, was für ein Wesen der geheimnisvolle Fremde ist, der in der Geschichte als Antagonist auftritt. Allerdings ergibt sich aus der Geschichte, dass er kein (lebendiger) Mensch ist. Neben mehreren anderen Auffälligkeiten wie beispielsweise bläulich-bleierner Haut, hat er zwei lange Fangzähne, blinzelt nicht und wirkt – da sich sein Brustkorb nicht wie beim Atmen hebt und senkt – wie eine Leiche. Als die Frau, die er in der Geschichte entführt, vor ihm flüchtet, bezeichnet sie die Dunkelheit als gefährlich, verlangt nach einem Priester zum Schutz und wiederholt ständig, dass die Lebenden und die Toten nicht in einer Person vereint sein können, da Gott dies verbiete. Auch besitzt der Fremde übernatürliche Fähigkeiten (zB verschwindet er mehrmals spurlos, als ob er sich in Luft auflöst; entweder kann er sich in Wind verwandeln oder diesen manipulieren, denn er bläst – ohne in körperlicher Form anwesend zu sein – eine Kerze aus und schlägt eine Tür zu; letztere versperrt er auf magische Weise, so dass es selbst zwei Männern gleichzeitig nicht möglich ist, sie aufzudrücken, obwohl es eigentlich nur eine unverschlossene Schlafzimmertüre ist). Es ist somit eindeutig, dass er ein übernatürliches, untotes Wesen ist. Ob die Zähne als Vampirzähne gemeint sind, oder einfach nur allgemein ein Raubtiergebiss darstellen sollen, bleibt hingegen offen. Das Aussaugen von Blut wird an keiner Stelle erwähnt.
Die Geschichte wurde 1839 im “The Dublin University Magazine” für Mai 1839 erstveröffentlicht. 64
John Bowring: Vampires (1839) [V] [g]
Kurzinhalt:
Ein Mann erzählt seinen Kindern Geschichten über den Vampirmythos.
Meine Ausgabe:
Die Geschichte ist in der Anthologie “The Vampire of Vourla” enthalten. 65 Der Geschichte vorangestellt ist eine kurze Einleitung über den Autor, Inhalt, Griechenlandbezug und Veröffentlichung der Geschichte. 66
Anmerkungen (enthalten Spoiler):
Die Vampire werden ausdrücklich als Vampire bezeichnet.
Bei der Geschichte handelt es sich um ein Kapitel des Buches “Minor Morals for Young People”, welches 1839 erstveröffentlicht wurde. 67
Es ist weniger eine richtige Geschichte. Vielmehr werden Informationen über den Vampirmythos in Form einer Erzählung eines Vaters an seine Kinder präsentiert.

3. weitere Blogartikel der Reihe „Die Vampirliteratur im 19. Jahrhundert“
- Teil 1 – Einleitung: zum Blogartikel
- Teil 2 – Vampirgeschichten 1800 bis 1819: zum Blogartikel
- Teil 3 – Vampirgeschichten 1820 bis 1824: zum Blogartikel
- Teil 4 – Vampirgeschichten 1825 bis 1829: zum Blogartikel
- [Teil 5 – Vampirgeschichten 1830 bis 1839: dieser Artikel]
- Teil 6 – Vampirgeschichten 1840 bis 1848: zum Blogartikel
- Teil 7 – Vampirgeschichten 1849 bis 1859: zum Blogartikel
- Teil 8 – Vampirgeschichten 1860 bis 1869: [Erstellung noch in Arbeit]
- Teil 9 – Vampirgeschichten 1870 bis 1879: [Erstellung noch in Arbeit]
- Teil 10 – Vampirgeschichten 1880 bis 1884: [Erstellung noch in Arbeit]
- Teil 11 – Vampirgeschichten 1885 bis 1889: [Erstellung noch in Arbeit]
- Teil 12 – Vampirgeschichten 1890 [Erstellung noch in Arbeit]
- Teil 13 – Vampirgeschichten 1891 [Erstellung noch in Arbeit]
- Teil 14 – Vampirgeschichten 1892 und 1893 [Erstellung noch in Arbeit]
- Teil 15 – Vampirgeschichten 1894 [Erstellung noch in Arbeit]
- Teil 16 – Vampirgeschichten 1895 [Erstellung noch in Arbeit]
- Teil 17 – Vampirgeschichten 1896 [Erstellung noch in Arbeit]
- Teil 18 – Vampirgeschichten 1897 [Erstellung noch in Arbeit]
- Teil 19 – Vampirgeschichten 1898 [Erstellung noch in Arbeit]
- Teil 20 – Vampirgeschichten 1899 [Erstellung noch in Arbeit]

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Fußnoten:
- Dieter Sturm/Klaus Völker, Suhrkamp Taschenbuch Verlag GmbH (1994), S. 144 ff.[↩]
- Richard Dalby/Brian J. Frost [Hrsg], Dracula’s Brethren, HarperCollinsPublishers (2017), S 44 ff.[↩]
- Richard Dalby/Brian J. Frost [Hrsg], Dracula’s Brethren, HarperCollinsPublishers (2017), S 44.[↩]
- Erwin Jänsch, Das Vampir-Lexikon, Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nach. (2000), S. Seite 104 f.[↩]
- Otto Penzler [Hrsg], The Vampire Archives, Vintage Books (2009), S 954.[↩]
- Christopher Frayling, Vampyres – A Literary Anthology, Thames & Hudson Ltd (2022), S 90.[↩]
- https://de.wikipedia.org/wiki/Wij (Stand: 19.6.2026) [verfiziert/Sekundärliteratur].[↩]
- https://feb-web.ru/feb/gogol/texts/ps0/ps2/ps2-679-.htm (Stand: 11.7.2026).[↩]
- Otto Penzler [Hrsg], The Vampire Archives, Vintage Books (2009), S 994.[↩]
- Christopher Frayling, Vampyres – A Literary Anthology, Thames & Hudson Ltd (2022), S 90.[↩]
- Andrew Barger, The Best Vampire Stories 1800-1849, Bottletree Books LLC (2012) S 4.[↩]
- J. Gordon Melton, The Vampire Book – the Encyclopedia of the Undead, Visible Ink Press (2011), S 531.[↩]
- J. Gordon Melton, The Vampire Book – the Encyclopedia of the Undead, Visible Ink Press (2011), S 531 f.[↩]
- https://de.wikipedia.org/wiki/Berenice_(Poe) (Stand: 17.6.2026) [verfiziert/Original][↩]
- https://www.eapoe.org/papers/misc1921/tplgc04a.htm#pg0149 (Stand: 7.7.2026).[↩]
- Otto Penzler [Hrsg], The Vampire Archives, Vintage Books (2009), S 994.[↩]
- Andrew Barger, The Best Vampire Stories 1800-1849, Bottletree Books LLC (2012) S 4.[↩]
- J. Gordon Melton, The Vampire Book – the Encyclopedia of the Undead, Visible Ink Press (2011), S 531.[↩]
- J. Gordon Melton, The Vampire Book – the Encyclopedia of the Undead, Visible Ink Press (2011), S 531 f.[↩]
- Southern Literary Messenger, Vol I, Nr. 8. Richmond, April 1835, S 448. [verfiziert/Original].[↩]
- https://www.eapoe.org/papers/misc1921/tplgc04a.htm#pg0149 (Stand: 7.7.2026).[↩]
- Dieter Sturm/Klaus Völker [Hrsg], Von denen Vampiren, Suhrkamp Taschenbuch Verlag (1994), S 87 ff.[↩]
- Dieter Sturm/Klaus Völker [Hrsg], Von denen Vampiren, Suhrkamp Taschenbuch Verlag (1994), S 562.[↩]
- Martin Greenberg/Charles G. Waugh [Hrsg], Vampire – 16x Grauen mit Frauen, Bastei-Verlag Gustav H. Lübbe GmbH & Co (1988), S 55 ff.[↩]
- Andrew Barger, The Best Vampire Stories 1800-1849, Bottletree Books LLC, (2012) S. 204 ff.[↩]
- Andrew Barger, The Best Vampire Stories 1800-1849, Bottletree Books LLC, (2012) S 202.[↩]
- Michael Sims [Hrsg], Dracula’s Guest – a Connoisseur’s Collection of Victorian Vampire Stories, Bloomsbury Publishing 2011, S 103 ff.[↩]
- Michael Sims [Hrsg], Dracula’s Guest – a Connoisseur’s Collection of Victorian Vampire Stories, Bloomsbury Publishing 2011, S 101 f.[↩]
- Christopher Frayling, Vampyres – A Literary Anthology, Thames & Hudson Ltd (2022), S 92.[↩]
- Erwin Jänsch, Das Vampir-Lexikon, Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf, (2000), S 100 ff.[↩]
- J. Gordon Melton, The Vampire Book – the Encyclopedia of the Undead, Visible Ink Press (2011), S 282 ff.[↩]
- Théophile Gautier, “Die liebende Tote”, in Dieter Sturm/Klaus Völker [Hrsg], “Von denen Vampiren”, Suhrkamp Taschenbuch Verlag 1994, S 119.[↩]
- https://en.wikipedia.org/wiki/La_Morte_Amoureuse (Stand: 19.6.2026) [verfiziert/Sekundärliteratur].[↩]
- https://data.bnf.fr/fr/ark:/12148/cb17144813n (Stand: 7.7.2026).[↩]
- Night’s Black Agents – an Anthology of Vampire Fiction, edited by Daniel Corrick, Snuggly Books (2023), S 46 ff.[↩]
- Night’s Black Agents – an Anthology of Vampire Fiction, edited by Daniel Corrick, Snuggly Books (2023), S 11f.[↩]
- Night’s Black Agents – an Anthology of Vampire Fiction, edited by Daniel Corrick, Snuggly Books (2023), S 261.[↩]
- Night’s Black Agents – an Anthology of Vampire Fiction, edited by Daniel Corrick, Snuggly Books (2023), S 261 f.; Montague Summers führt in „A Gothic Bibliography“, Russell & Russell Inc. (1964), S 461 die Veröffentlichung der Geschichte im „The Penny Play Book; or Library of Dramatic Romance“ Nr. 6 an. Laut Marie Léger-St-Jean, Price One Penny: A Database of Cheap Literature, 1837-1860, priceonepenny.info, Last updated 29 December 2021, Accessed 13 July 2026, wird die Geschichte auch von Wiener (Joel H. A. Wiener, A Descriptive Finding List of Unstamped British Periodicals, 1830-1836, London: Bibliographical Society (1970) angeführt. Mangels Zugriff auf die Penny Play Books kann ich die Veröffentlichung der Geschichte im „The Penny Play Book; or Library of Dramatic Romance“ Nr. 6 jedoch nicht verifizieren.[↩]
- Álvaro García Marín [Hrsg], The Vampire of Vourla and other Greek Vampire Tales, 1819 – 1946, Valancourt Books, LLC (2024), S 65 ff.[↩]
- Álvaro García Marín [Hrsg], The Vampire of Vourla and other Greek Vampire Tales, 1819 – 1946, Valancourt Books, LLC (2024), S 64.[↩]
- Álvaro García Marín [Hrsg], The Vampire of Vourla and other Greek Vampire Tales, 1819 – 1946, Valancourt Books, LLC (2024), S 64. [verifiziert/Original].[↩]
- https://victorianresearch.org/Keepsake.pdf (Stand: 11.7.2026).[↩]
- Otto Penzler [Hrsg], The Vampire Archives, Vintage Books (2009), S 157 ff.[↩]
- Otto Penzler [Hrsg], The Vampire Archives, Vintage Books (2009), S 156.[↩]
- Richard Dalby/Brian J. Frost [Hrsg], Dracula’s Brethren, HarperCollinsPublishers (2017), S 2.[↩]
- Andrew Barger, The Best Vampire Stories 1800-1849, Bottletree Books LLC (2012) S 4.[↩]
- J. Gordon Melton, The Vampire Book – the Encyclopedia of the Undead, Visible Ink Press (2011), S 531.[↩]
- J. Gordon Melton, The Vampire Book – the Encyclopedia of the Undead, Visible Ink Press (2011), S 531 f.[↩]
- American Museum of Literature and the Arts, Vol I, September 1838, No. 1, S 25 ff [verfiziert/Original].[↩]
- https://www.eapoe.org/papers/misc1921/pipdtc2a.htm (Stand: 11.7.2026).[↩]
- Richard Dalby/Brian J. Frost [Hrsg], Dracula’s Brethren, HarperCollinsPublishers (2017), S 3.[↩]
- Otto Penzler [Hrsg], The Vampire Archives, Vintage Books (2009), S 994.[↩]
- Andrew Barger, The Best Vampire Stories 1800-1849, Bottletree Books LLC (2012) S. 4.[↩]
- J. Gordon Melton, The Vampire Book – the Encyclopedia of the Undead, Visible Ink Press (2011), S 531.[↩]
- J. Gordon Melton, The Vampire Book – the Encyclopedia of the Undead, Visible Ink Press (2011), S 531 f.[↩]
- https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Untergang_des_Hauses_Usher (Stand: 19.6.2026) [verfiziert/Original].[↩]
- https://www.eapoe.org/papers/misc1921/pipdtc3a.htm (Stand: 11.7.2026).[↩]
- Andrew Barger, The Best Vampire Stories 1800-1849, Bottletree Books LLC (2012) S. 122 ff].[↩]
- Andrew Barger, The Best Vampire Stories 1800-1849, Bottletree Books LLC (2012) S. 120 f].[↩]
- J. Gordon Melton, The Vampire Book – the Encyclopedia of the Undead, Visible Ink Press (2011), S 414 ff.[↩]
- Andrew Barger, The Best Vampire Stories 1800-1849, Bottletree Books LLC (2012) S. 120 f].[↩]
- https://de.wikipedia.org/wiki/Godefridus_Schalcken (Stand: 22.7.2026).[↩]
- Andrew Barger, The Best Vampire Stories 1800-1849, Bottletree Books LLC (2012) S. 120 f].[↩]
- “The Dublin University Magazine – A Literary and Political Journal” VOL XIII, Jänner bis Juni 1839, S 579 [verifiziert/Original].[↩]
- Álvaro García Marín [Hrsg], The Vampire of Vourla and other Greek Vampire Tales, 1819 – 1946, Valancourt Books, LLC (2024), S 92 ff.[↩]
- Álvaro García Marín [Hrsg], The Vampire of Vourla and other Greek Vampire Tales, 1819 – 1946, Valancourt Books, LLC (2024), S 91 f.[↩]
- Álvaro García Marín [Hrsg], The Vampire of Vourla and other Greek Vampire Tales, 1819 – 1946, Valancourt Books, LLC (2024), S 91. [verifiziert/Original].[↩]
