Interview mit Amalia Zeichnerin, Autorin von „Blutige Flügel“ (Selfpublishing, 2025) vom 8. März 2026 [unbezahlte Werbung]

Schriftzug "Urban Fantasy" vor einer Skyline

Übersicht

Einleitung

Ich habe online mittlerweile einige Autor*innen kennengelernt, die ebenfalls über Vampire schreiben – und zwar quer durch alle Genres. Manchmal spielen Vampire Hauptrollen, manchmal Nebenrollen. Hier auf meinem Blog stelle ich sie dir in Interviewform vor. Heute an der Reihe: Amalia Zeichnerin, Autorin von „Blutige Flügel“ (Selfpublishing, 2025).

Eine Übersicht über alle Interviews findest du übrigens hier. Fußnotenanmerkungen stammen von mir.

Interview mit Amalia Zeichnerin vom 8. März 2026:

Stell dich bitte kurz vor.

Ich (sie/ihr oder they/them) schreibe und lektoriere in meiner Wahlheimat Hamburg. Ich habe verschiedene Genres veröffentlicht, da ich die Abwechslung liebe: Queer Romance, Phantastik in mehreren Subgenres, viktorianische Cosy Krimis. Ich bin weiß, queer, behindert und chronisch krank, außerdem auf dem neurodivergenten Spektrum. Das sind alles Gründe, warum mir Diversität, Intersektionalität und marginalisierte Stimmen am Herzen liegen. Ich fühle mich in der Goth-Subkultur heimisch und mag Solarpunk. In meiner Freizeit lese ich gern, zeichne/male Fanart und Portraits, außerdem schreibe ich gelegentlich Fanfictions. Früher habe ich viel LARP (Liverollenspiel) und Pen & Paper Rollenspiele gespielt, und beides hat mich auch teilweise fürs Schreiben inspiriert.

Beschreibe dein Buch “Blutige Flügel” in einem Satz.

Ein Engel und ein Vampir unternehmen unfreiwillig gemeinsam einen Roadtrip durch Deutschland, da sie beide auf der Flucht sind, und finden in anderen Übernatürlichen eine found family … und dann kommen auch noch romantische Gefühle bei ihnen ins Spiel.

Unter welches Genre fällt dein Buch & an welche Leser*innen richtet es sich?

Das ist aus meiner Sicht klassische Urban Fantasy – mit Engeln, Vampiren, Werwölfen, Geistern, einer Hexe, Dämonen und noch weiteren übernatürlichen Figuren. Es ist aber keine düstere Dark Fantasy und es gibt darin auch keine toxischen Beziehungen (bzw. es gibt eine, die aber vorbei ist). Stimmungsmäßig ist der Roman eher wholesome, teilweise auch mit ein wenig Humor. Wer so etwas gern liest, für den ist es sicherlich ein passender Lesestoff. Übrigens ist der Roman in sich abgeschlossen und ich habe keine Fortsetzung geplant.

Was macht dein Buch besonders?

Der Engel Turiel ist agender, also geschlechtslos, beide Hauptfiguren (auch Richard, der Vampir) sind auf dem asexuellen Spektrum, entsprechend gibt es keine Spice-Szenen. Ich habe bisher noch nicht so viel Urban Fantasy mit einer solchen queeren Repräsentation im deutschsprachigen Raum gefunden, und auch deutsche Settings sind nicht ganz so häufig in der Urban Fantasy zu finden.

Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Engel und einen Vampir als Protagonisten zu nehmen?

Das war lose inspiriert von „Good Omens“1 (ich habe dieses Fandom übrigens verlassen, als die Kontroverse um Neil Gaiman bekannt wurde). Dort geht es ja um einen Engel und einen Dämon, aber ich wollte schon immer mal gern einen Roman mit einem Vampir schreiben.

Ist dein Engel von realen Religionen inspiriert, oder hat er eine von Religion losgelöste Hintergrundgeschichte?

Turiel ist vom Christentum inspiriert, wie Aziraphale bei „Good Omens“. Entsprechend gibt es auch einige Anspielungen auf den biblischen Hintergrund von Engeln.

Und jetzt dein Vampir: Ist dieser an Vampirmythologie oder klassische Vampirliteratur angelehnt oder hat er eine eigene Hintergrundgeschichte?

 Es gibt ja sehr viele verschiedene Vampire in der Mythologie, Folklore und der klassischen Literatur bis hin zu den modernen Vampirgeschichten im Horror, Urban Fantasy und anderen Genres. Ich wollte, was das betrifft, nicht das Rad neu erfinden. Ich habe mir aus all dem, was es schon so gibt, Versatzstücke gesucht, die am besten zu meinem Protagonisten Richard gepasst haben. Und natürlich hat er auch eine Hintergrundgeschichte, wie er zum Vampir wurde.

Du setzt dich für Diversität, Repräsentation und Inklusion in der Literatur ein und hast sogar ein Essayband zu diesem Thema geschrieben. Welche Rolle spielen diese Punkte in deinem Roman “Blutige Flügel”?

Meine übernatürlichen Figuren, der Engel, der Vampir und noch einige weitere, kämpfen unter anderem gegen Dämonen, und diese wiederum sind stehen aus meiner Sicht allegorisch für Menschen, die Minderheiten diskriminieren oder sogar angreifen (z.B. mit Hassverbrechen). Und meine Übernatürlichen wiederum stehen für queere und anderweitig marginalisierte Menschen. Das liebe ich so an Urban Fantasy: Dass man darin so gut entsprechende Gesellschaftskritik unterbringen kann.

Wie steht es um Diversität, Repräsentation und Inklusion in den dir bekannten Vampirbüchern oder -filmen? Sind dir positive Beispiele bekannt?

Ich beschränke mich jetzt mal hier auf zwei positive Beispiele: Die neue Serienverfilmung von „Interview mit einem Vampir“2, die ich noch nicht gesehen habe, über die ich aber viel Lob gehört habe. Unter anderem, weil die beiden Hauptfiguren Louis und Lestat dort queer sind und auch, weil Louis und Claudia (und sicherlich auch andere Figuren) People of Colour sind – sie haben die ursprüngliche Geschichte also deutlich diversifiziert.

Außerdem der Vampirhorrorfilm „Blood and Sinners“3 von Ryan Coogler, den ich auch gern noch sehen möchte. Darin geht es um mehrere Schwarze Figuren, die sich um 1932 in Mississippi gegen (weiße) Vampire und den Klu-Klux-Klan zur Wehr setzen. Auch dieser Film hat sehr gute Reviews erhalten.

Welche Tipps kannst du Autor*innen geben, die ihre Geschichten diverser gestalten möchten?

 Wenn ihr über sensible Themen schreiben wollt, bei denen euch selbst die Lebenserfahrung fehlt, z.B. eine behinderte, neurodivergente, queere oder anderweitig marginalisierte Figur – sucht euch Personen, die damit Lebenserfahrung haben. Einige Leute, ich auch, bieten auch Sensitivity Readings an. Mehr dazu erfahrt ihr auf dieser Webseite: https://sensitivity-reading.de/

Und ich habe hier einen Blogbeitrag über Sensitivity Reading geschrieben: https://amalia-zeichnerin.net/sensitivity-reading/

 Was sind deine liebsten Vampirbücher & -filme?

Ich mag den schrägen Humor der Serie „What We Do In The Shadows“4 und als Kind habe ich „Der kleine Vampir“5 von Angela Sommer-Bodenburg geliebt – auch die amerikanische Serienverfilmung von 19856. Als jugendliche Person habe ich die Vampir-Reihe von Anne Rice durchgesuchtet, beginnend mit „Interview mit dem Vampir“7. Dann natürlich auch Bram Stokers „Dracula“8 und „Carmilla“9 von Sheridan Le Fanu. Von allen Dracula-Verfilmungen gefällt mir die von Francis Ford Copolla von 199210 bisher am besten. Auch wenn man sich darüber streiten mag, weil hier eine Romanze eingebaut wurde, die es so im ursprünglichen Roman nicht gibt.

Um die neue Nosferatu-Verfilmung von 202411 schleiche ich noch immer unschlüssig herum, weil ich den alten Stummfilm „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“12 von F. W. Murnau aus dem Jahr 1922 kenne und sehr mag. Vielleicht sehe ich diese neue Verfilmung später mal, wenn sie irgendwo frei bei einem meiner Streaminganbieter zur Verfügung steht.

Ich möchte auch gern die „Carmilla“-Verfilmung von 202013 sehen. Filme wie „Blade“14 und die „Underworld“-Reihe15 waren dagegen nicht so meins, aber ich kann nicht so genau sagen, woran es liegt. Vielleicht gefällt mir die Kombination aus Vampirismus und Action nicht so sehr.

Was ich ansonsten auch mochte, war der Film „Daybreakers“16 mit Ethan Hawke in der Hauptrolle, von 2009. Dieser verbindet Vampirismus mit Science-Fiction, und ich fand den Film sehr spannend.

Eine Freundin hat mir vor vielen Jahren Band 1 der „Twilight“17 Reihe von Stephenie Meyer geschenkt und ich habe den Band dann auch gelesen … aber ich konnte damit nichts anfangen. Ich will hier nun nicht diese Reihe bashen, aber ich für meinen Teil bin jedenfalls kein „Twilight“-Fan geworden.

Buchcover und Klappentext  von „Blutige Flügel“ (Selfpublishing, 2025):

Rote Schrift "Blutige Flügel" und weiße Schrift "Amalia Zeichnerin". Hintergrund: ein weißer Flügel auf grauen Ornamenten und von einem goldenen Rahmen umrahmt.

Klappentext:

„Der Schutzengel Turiel versagt bei einem Auftrag und wird zu allem Unglück auch noch von Dämonen gefangen genommen. Der Vampir Richard hat sich mit seinem Schöpfer überworfen, der ihm aus Rache eine Vampirjägerin und ihren Kollegen auf den Hals hetzt. Unabhängig voneinander können Turiel und Richard fliehen. Als sie sich an einer Autoraststätte begegnen, beschließen sie gemeinsam weiterzufahren. Unterwegs treffen sie auf weitere Übernatürliche. Währenddessen entwickelt Turiel romantische Gefühle für den Vampir, aber als Engel ist es ihm verboten, sich zu verlieben …

Ein in sich abgeschlossener, queerer Urban Fantasy Roman.“

[Veröffentlichung von Buchcover und Klappentext mit Genehmigung von Amalia Zeichnerin]

Hier findest du Amalia Zeichnerin online:

https://linktr.ee/amaliazeichnerin (Instagram, Mastodon, Website, Blog, Pixelfed, Youtube, und vieles mehr)

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Eine Vampirin zeigt ihre Zähne

Fußnoten:

  1. Good Omens“, Erstausstrahlung: 2019, Produktionsland: UK, Idee: Neil Gaimann und Terry Pratchett; Regie: Douglas Mackinnon ↩︎
  2. „Interview mit einem Vampir“, Idee: Rolin Jones, Erstausstrahlung: 2022, Produktionsland: USA ↩︎
  3. „Blood & Sinners“: Regie: Ryan Coogler (USA 2025); Meine Kritik zum Film findest du hier ↩︎
  4. „What we Do in The Shadows“, Konzept/Regie/Drehbuch: Taika Waititi, Jemaine Clement; Erstaufführung: 2019, Produktionsland: USA; ↩︎
  5. „Der kleine Vampir“, Buchreihe von Angela Sommer-Bodenburg, erschienen ab 1979; ↩︎
  6. „Der kleine Vampir“, Erstausstrahlung 1986; Produktionsland: Kanada/Deutschland; ↩︎
  7. Anne O Brien Rice: „Interview mit einem Vampir“ (1976); meine Buchrezension findest du hier; ↩︎
  8. Bram Stoker: „Dracula“ (1897) ↩︎
  9. Sheridan Le Fanu: „Carmilla“ (1872) ↩︎
  10. „Bram Stoker’s Dracula“, Regie: Francis Ford Cappola (USA 1992) ↩︎
  11. „Nosferatu – Der Untote“, Regie: Robert Eggers (USA/CZ 2024); meine Filmkritik findest du hier; ↩︎
  12. „Nosferatu, eine Symphonie des Grauens“, Regie: F:W. Murnau (D 1922). Meine Filmkritik findest du hier; ↩︎
  13. „Carmilla – Führe uns nicht in Versuchung“, Regie: Emily Harris (UK 2019); Meine Filmkritik findest du hier; ↩︎
  14. „Blade“: Regie: Stephen Norrington (USA 1998). Meine Filmkritik findest du hier; ↩︎
  15. „Underworld“-Reihe: “Underworld”: Regie: Len Wiseman (USA 2003), Meine Kritik zum Film findest du hier. “Underworld Evolution”: Regie: Len Wiseman (USA 2005); “Underworld: Aufstand der Lykaner”: Regie: Patrick Tatopoulos (USA 2009); “Underworld: Awakening”: Regie: Måns Mårlind/Björn Stein (USA 2012);
    “Underworld: Bloodwars”: Regie: Anna Foerster (USA 2016);  ↩︎
  16. Daybreakers: Regie: Michael & Peter Spierig (USA/AUS 1009), Meine Kritik zum Film findest du hier. ↩︎
  17. Stephenie Meyer: „Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen“ (2005) ↩︎

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