Vampircomic-Rezension: “Interview mit einem Vampir: Claudia’s Story” – Anne Rice, Art & Adaption Ashley Marie Witter (ⓒ2012/Auflage 2023)

Übersicht

Buchdaten
Kurzinhalt
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Buchdaten

Titel: Interview mit einem Vampire: Claudia’s Story
Originaltitel: Interview with the Vampire: Claudia’s story
Story Text: Anne O’Brien Rice & The Stanley Travis Rice, Jr Testamentary Trust © 2012
Art & Adaption: Ashley Marie Witter
Illustrationen: Hachette Book Group, Inc © 2012
Verlag der deutschen Übersetzung: Carlsen Manga 2023
Sprache: deutsche Übersetzung (Original: Englisch)
Seitenanzahl: 224 (Soft Cover)
Genre: Gothic Novel
Wo ist das Buch erhältlich? Im regulären Buchhandel

Auf der Website des Verlages siehst du das Cover und Einblicke in die ersten Seiten des Comics: https://www.carlsen.de/softcover/interview-mit-einem-vampir-claudias-story-neuedition/978-3-551-78280-9

Kurzinhalt

“Interview mit einem Vampir” von Anne Rice (1976; meine Kritik zum Buch findest du hier) aus Claudias Sicht – ab dem Zeitpunkt ihrer Verwandlung bis zu ihrem Tod: Ein im Sterben liegendes Kind (Claudia) wird von den Vampiren Louis und Lestat in einen Vampir verwandelt und durchlebt die Ewigkeit gefangen im Körper eines Kindes und somit abhängig von ihren Schöpfern.

Meine Meinung zum Comic

Die grafische Umsetzung ist sehr gut gelungen. Die Zeichnungen sind einheitlich in Brauntönen gehalten. Nur Blut ist rot und Feuer (teilweise) orange, was einen schönen Kontrast ergibt. Die Bilder sind sehr detailliert, insbesondere Kleidung und Umgebung sind wunderschön anzusehen. Die Gesichter der Figuren sind hingegen recht austauschbar.

Nicht optimal umgesetzt ist die Integration von Text abseits der Sprechblasen in die Bilder. Der schwarz umrandete, weiße Text auf einem Hintergrund, dessen Farbverlauf von Schwarz zu Transparenz verläuft, ist teilweise schwer zu lesen. Weiße Schrift auf durchgehend schwarzem Hintergrund würde zwar mehr Bereiche der Bilder verdecken, wäre aber angenehmer zu lesen.

Interessanterweise enthält der Comic keine Jahreszahlen. Dadurch wird einem als Leser*in gar nicht richtig bewusst, über welch langen Zeitraum die Geschichte eigentlich spielt. Da Claudia trotz ihres unveränderlichen Kindskörpers die psychische Entwicklung von einem Kind, über einen Teenager bis hin zu einer Erwachsenen durchmacht, kommt der Zeit jedoch eine große Bedeutung zu. Diese Entwicklung über die Jahrzehnte wird im Comic leider nichts so intensiv herausgearbeitet, wie ich es mir erhofft hatte.

Auch Claudias Alter wird nicht genannt. Obwohl Claudias Körpergröße im Verhältnis zu Louis & Lestat in den Zeichnungen teilweise leicht variiert (was sich nicht immer mit der Perspektive erklären lässt) gehe ich aufgrund der Treue zur Buchvorlage davon aus, dass sie dasselbe Alter hat wie im Buch (5 Jahre).

Inhaltlich ist die Geschichte sehr nah an der Buchvorlage und enthält sogar Original-Zitate. Abweichungen ergeben sich in erster Linie durch inhaltliche Kürzungen und das Ergänzen von Claudias Gedanken. Diese Treue gegenüber dem Original wird Anne Rice-Fans sicher freuen, führt aber leider dazu, dass der Comic gegenüber dem Buch keinen inhaltlichen Mehrwert hat. Die im Innenklappentext versprochenen “überraschende[n] neue[n] Einblicke in das Leben und Leiden der kindlichen Protagonistin” bleiben somit aus. Klar, die Ausformulierung von Claudias Gedanken ist eine Neuerung gegenüber der Buchvorlage, aber fügen Claudias Charakter keine neuen Facetten hinzu. Insbesondere Claudias Hadern damit, dass ihr Körper nie erwachsen wird und die Problematiken, die damit einhergehen, kommen mir viel zu kurz. Dabei wäre ein Comic aus Claudias Sicht die perfekte Möglichkeit, diese Problematik im Detail zu erforschen. Aber auch in diesem Hinblick bleibt der Comic leider zu nah am Original.

Im Buch gibt es mehrere Szenen, in denen Claudia ohne Louis unterwegs ist und die ich sehr gerne aus Claudias Sicht erlebt hätte.

Beispiele (Achtung Spoiler): die Vorbereitung des Mordes an Lestat (der Mord ist übrigens das zeichnerische Highlight des Buches!), die von ihr heimlich begangenen Morde, oder wie Claudia Madeleine ihr wahres Wesen offenbart. Doch anstatt diese Szenen zu zeigen, werden diese einfach – wie im Buch – übersprungen.

Die melancholische Stimmung der Buchvorlage wird sehr gut eingefangen, gerade in emotionsgeladenen Szenen wirkt der Comic auf mich jedoch etwas kühl und emotionslos. Möglicherweise bin ich durch die sehr emotionale Umsetzung des Buches in der TV-Serie “Interview mit einem Vampir” aus 2022, die ich vor kurzem gesehen habe, voreingenommen, aber ich war überrascht, wie distanziert der Comic teilweise wirkte. Vermutlich liegt dies ebenfalls an der Nähe zur Buchvorlage, die Serie nimmt sich schließlich sehr viele künstlerischen Freiheiten und erzählt eher eine an das Buch angelehnte Neuninterpretation der Grundidee, als eine Buchverfilmung.

Interessant finde ich, welche Auswirkungen der Perspektivenwechsel auf die anderen Hauptfiguren hat. Sowohl Lestat als auch Armand sind sehr präsent und hinterlassen einen starken Eindruck – letzterer sogar, obwohl er in nur sehr wenigen Szenen vorkommt. Louis hingegen wirkt im Comic passiv, farblos und langweilig. Im Buch, sowie auch in der Verfilmung aus 1994 (meine Filmkritik zur Verfilmung findest du hier) und der TV-Serie wird die Geschichte aus seiner Sicht erzählt, so dass man tief in seine Gefühls- und Gedankenwelt eindringt. Im Comic wird seiner Figur genau dieses Fehlen der Einsichten in sein Inneres zum Verhängnis. Gefühlt steht er in einem Großteil der Szenen einfach stumm in der Gegend rum, während Lestat, Claudia und später auch Armand, mit ihren Entscheidungen die Handlung vorantreiben.

Fazit: Eine zeichnerisch sehr schöne Umsetzung des Teil aus Rices “Interview in einem Vampir”, in dem Claudia vorkommt. Aufgrund der Treue zur Buchvorlage erfährt man über Claudia allerdings nichts Neues. Kurz: Ein netter Comic für Anne Rice-Fans, aber ohne Mehrwert gegenüber der Buchvorlage.

Punktebewertung 7 von 10 Punkten

Hinweis zur Rezension

Ich habe meine Ausgabe des Buches selbst gekauft und ich erhalte keinerlei Gegenleistung für diese Rezension. Ich habe keinen Auftrag zur Rezensionserstellung erhalten und habe keine Kooperation mit Autor oder Verlag und stehe mit diesen auch in sonst keiner Verbindung.

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