Übersicht
1. Buchdaten
Titel: The Gilda Stories
Autorin: Jewelle Gomez © 1991
Erscheinungsjahr: © 2016 City Lights Bookstore (25th Anniversary Expanded Edition)
Sprache: Englisch (Deutsche Übersetzung derzeit soweit ersichtlich nicht vorhanden)
Seitenanzahl: 235 (Ebook)
Genre: speculative fiction
Wo ist das Buch erhältlich? Im regulären Buchhandel
Auf der Website des Verlages siehst du das Cover: https://citylights.com/city-lights-published/gilda-stories/
2. Kurzinhalt
Eine afroamerikanische, lesbische Frau flieht 1850 aus der Sklaverei, findet Zuflucht in einem von einer Vampirin betriebenen Bordell und wird von dieser ebenfalls in eine Vampirin verwandelt. Das Buch erzählt episodenhaft aus dem Leben der Frau und ihrer Suche nach einem Platz in der Welt über einen Zeitraum von 200 Jahren.
3. Meine Meinung zum Buch
Die Erzählung konzentriert sich auf Ereignisse in Gildas Leben in den Jahren 1850, 1890, 1921, 1955, 1971, 1981, 2020 und 2050. Der Nachteil dieser episodenhaften Erzählweise ist der fehlende Spannungsbogen. Der Erzählstil ist langsam und ruhig und über weite Strecken distanziert. Letzteres führte dazu, dass mich emotionale und tragische Szenen nicht so berührt haben, wie ich es angesichts der Geschehnisse erwartet hätte. Die Geschichte ist tiefgründig mit vielen interessanten philosophischen Überlegungen, Spannung kommt jedoch keine auf und insbesondere gegen Ende ist das Buch sehr langatmig.
Einsamkeit, Ausgrenzung von Minderheiten, die Rolle als farbige Frau in der Gesellschaft, Selbstbestimmung, der Wunsch nach Zugehörigkeit und die Bedeutung von “choosen family” sind zentrale Themen von “The Gilda Stories”. Alltagsrassismus prägt die Erfahrungen von Gilda und weiteren farbigen Nebencharakteren, zwischendurch wird auch auf reale Ereignisse verwiesen (zB auf den Gefängnisaufstand von Attica in 1971). Die einfühlsame Umsetzung all dieser Thematiken ist die größte Stärke des Buches.
Eine interessante Entscheidung ist, dass die Protagonistin zu Beginn der Geschichte nicht namentlich genannt wird. Sie ist einfach “das Mädchen”. Erst nach ihrer Verwandlung übernimmt sie den Namen ihrer Schöpferin (Gilda).
Die Vampirthematik im Buch dient weniger der Auseinandersetzung mit typischen Vampirproblematiken wie Schuld oder Blutdurst, sondern als Hintergrund, um Gilda durch ihre neuen Kräfte eine Selbstermächtigung zu ermöglichen, welche ihr als normaler Mensch wohl verwehrt geblieben wären, und ihr Leben über einen Zeitraum von zwei Jahrhunderten sowie die Herausforderungen, vor denen sie während dieses Zeitraums insbesondere aufgrund ihres Geschlechts und ihrer Hautfarbe steht, darzustellen. Die Geschichte beginnt hierbei in der realen Vergangenheit und geht bis in eine fiktive – überraschend pessimistische – Zukunft.
Zur Moral der Vampire in Zusammenhang mit dem Bluttrinken (enthält Spoiler): Die Vampire haben eine eigene Lore und die meisten von ihnen sind “gut”; eine der ersten Lektionen, die Gilda lernt, ist, das Leben zu wertschätzen. Anstatt Menschen zu töten, versetzen Gilda und die Vampire ihrer Wahlfamilie Menschen durch ihre Gedanken in Tiefschlaf, trinken nur so viel Blut, wie nötig, versorgen danach die Wunden und pflanzen den Opfern als Gegenleistung für die unfreiwillige Spende positive Träume, Wünsche oder Gedanken in deren Unterbewusstsein. Diese Vorgehensweise wirkt zwar auf den ersten Blick ethisch vertretbar, wirft aber durchaus interessante philosophische Überlegungen auf, da Gilda durch diese gut gemeinte Gegenleistung direkt Einfluss auf die Selbstbestimmung und Persönlichkeit des Opfers nimmt.
Das Vorwort von Jewelle Gomez aus 2015 enthält eine interessante Anekdote über die Entstehung des Buches. Ob dieses Vorwort auch in anderen Ausgaben des Buches enthalten ist, weiß ich nicht. Meine Ausgabe (25th Anniversary Expanded Edition) enthält weiters ein Nachwort von Alexis Pauline Gumbs (ebenfalls aus 2015).
Fazit: eine tiefgründige Geschichte über Black Female Empowerment und den Wert einer Wahlfamilie, leider über weite Strecken zu langatmig erzählt.

Inhaltswarnungen
Hinweis: Die von mir angeführten Inhaltswarnungen sind nicht abschließend. Wenn es über die angeführten Thematiken andere Themen gibt, über die du nicht lesen willst, erkundige dich bitte stets vor dem Lesen, ob diese Inhalte in den von mir vorgestellten Büchern vorkommen.
Inhaltswarnung: versuchte Vergewaltigung
4. Hinweis zur Rezension
Ich habe meine Ausgabe des Buches selbst gekauft und ich erhalte keinerlei Gegenleistung für diese Rezension. Ich habe keinen Auftrag zur Rezensionserstellung erhalten und habe keine Kooperation mit Autor oder Verlag und stehe mit diesen auch in sonst keiner Verbindung.
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