
Social Media ohne Algorithmus: Ein Wunschtraum? Nein, schon längst Realität. Falls du nur die klassischen Social Media Plattformen wie Instagram, Facebook, TikTok & Co kennst, fragst du dich jetzt vielleicht: Wie soll das denn funktionieren? Ganz einfach – aber lies selbst.
Um was geht es?
Um das Fediverse.
Was ist das?
Ein dezentralisiertes Netzwerk unabhängiger, nicht-kommerzieller (Social-Media und anderer) Plattformen. Als Mitglied einer Plattform kannst du dich auch mit Mitgliedern der anderen Plattformen verbinden. Das ist so, als könntest du mit einem Instagram-Account einem Tiktok-Account folgen, ohne ein eigenes Tiktok-Konto anlegen zu müssen.
Es gibt im Fediverse Alternativen zu den meisten kommerziellen Plattformen:
- z.B.:
- Friendica statt Facebook
- Lemmy statt Reddit
- Mastodon statt Threads/X
- Peertube statt Youtube
- Loop statt Tiktok
- Pixelfed statt dem alten Instagram (Kannst du nicht daran erinnern, als auf Instragram ganz altmodisch Fotos geteilt wurden?)
- BookWyrm statt Goodreads
- und viele, viele mehr …
Falls dich die Auswahl erschlägt und du nicht weißt, wo du dich am besten anmelden sollst & was die 1. Schritte sind: Dafür gibt es Online-Anleitungen, zB auf https://digitalcourage.de/fediverse-anleitung oder https://fediversum.info.
Ich bin seit mehreren Monaten auf Mastodon: https://literatur.social/@domi_caella_vampirautorin
Das sind die Dinge, die mir an Mastodon gut gefallen:
- Ich bestimmte, wen/was ich in meinem Feed sehe, nicht der Algorithmus
- Ich kann nicht nur Menschen, sondern auch Hashtags folgen und beides in Listen organisieren
- Keine Werbung im Feed
- Fokus auf Datenschutz
- Bei jedem Kommentar zu einem Beitrag kann ich gesondert einstellen, ob mein Kommentar öffentlich, still (halb-öffentlich) oder privat ist (so dass ihn nur der/die Beitragsersteller*in sieht) oder er nur meinen Followern angezeigt wird
- Auch bei jedem meiner Beiträge kann ich einstellen, ob dieser öffentlich oder still (halb-öffentlich) ist, nur meinen Followern angezeigt wird, oder nur den markierten Personen
- Ich kann Filter erstellen und so Beiträge, die bestimmte Wörter enthalten, automatisch ausblenden lassen (dies nutze ich beispielsweise für politische Inhalte)
- Egal für welchen Server ich mich bei der Registrierung entscheide (jeder Server hat seine eigenen Server-Regeln), ich kann mich auch mit Menschen verbinden, die auf anderen Servern registriert sind. Wenn man mit einem Server nicht mehr zufrieden ist, kann man einfach zu einem anderen Server umziehen.
- Hab ich bisher zwar nicht benötigt, da ich mit meinem selbst zusammengestellten Feed überglücklich bin, aber falls ich doch irgendwann zukünftig mal Vorschläge für Beiträge/Konten/Hashtags haben möchte, denen ich nicht folge, gibt es auch dafür eine eigene Funktion.
Also ist “algorithmusfrei “ die super-duper-über-drüber-genialste-und-anstrengungsloseste eier-, silber- und goldlegende Wollfellledermilchmineralwasserweinsau des Social-Media-Universums?
Natürlich nicht.
Kein Algorithmus heißt auch: Niemand findet dich, wenn er/sie nicht entweder
- nach deinem Account-Namen sucht, oder
- genau nach Wörtern bzw. Hashtag sucht, die du in deinem Beitrag verwendest.
Auch im Fediverse kannst du dich somit nicht einfach zurücklehnen und nichts tun, wenn du eine Community aufbauen willst. Im Gegenteil: Durch den Wegfall von exzessivem Follow for Follow, Follow/Unfollow, Follow aus Eigeninteresse & anderen Algorithmus-Nebenerscheinungen sind die Leute wählerischer, wem sie folgen & folgen meist nur Accounts, die sie wirklich interessieren. Dafür bleiben sie länger als ein paar Tage oder Wochen.
Und: Wenn jemand nach einem Hashtag sucht, werden alle Beiträge, die den Hashtag enthalten, in chronologischer Reihenfolge angezeigt, egal ob der Beitrag von einem Account mit 1000 oder 0 Followern stammt. Du hast somit auch als Mini-Account die Möglichkeit, von Menschen gefunden zu werden, die sich für dein Thema interessieren.
Aber: Die Buchbubble auf Mastodon ist derzeit noch viel, viel kleiner als auf Instagram (doch DU kannst mithelfen, das zu ändern) & ohne Algorithmus muss man die Leute selber finden.
Mir haben beim Einstieg in Mastodon folgende Hashtags am meisten geholfen, um andere Schreib- und Lesefans kennenzulernen:
- #Phantastikprompts (Für jeden Monat erstellt ein Community-Mitglied im Voraus tägliche Fragen für Autor*innen, die dann im jeweiligen Monat von den Autor*innen beantwortet werden)
- #Büchersonntag (Postings über current reads, Buchempfehlungen und ähnliches)
Meine Erfahrungen aus 1 Jahr+ Instagram und ½ Jahr+ Mastodon (wobei ich ca. 6/7 meiner Social Media Zeit auf Instagram und nur ca. 1/7 auf Mastodon verbracht habe):
- Wo hab ich mehr Follower, Interaktionen, & Reaktionen auf meine Beiträge auf der Plattform und folge ich mehr Menschen? Instagram
- Wo habe ich mehr Rückmeldungen zu verlinkten Blogartikeln erhalten? Mastodon
- Wo habe ich über Beiträge mehr Vampirbücher (Belletristik) kennengelernt? Instagram
- Wo hab ich über Beiträge mehr Vampirsachbücher kennengelernt? Mastodon
- Wo hab ich mehr Rückmeldungen zu Kurzgeschichten/Anekdoten erhalten, wenn ich sie auf der Plattform poste? Instagram
- Wo hab ich mehr Rückmeldungen zu in Online-Magazinen veröffentlichten Kurzgeschichten erhalten, auf die ich verlinkt habe? Mastodon
- Wo hab ich mehr Vampirfans kennengelernt und mich mit mehr Vampirfans ausgetauscht & mehr getratscht? Instagram
- Wo wurde ich öfter nach Leseproben gefragt? Mastodon (p.s.: Es gibt zu meinem Vampirroman noch keine)
- Wo habe ich mehr Vampir-Autor*innen kennengelernt? Instagram
- Wo habe ich mehr Blogger*innen kennengelernt, die auf ihren Blogs u.a. auch über Vampirbücher schreiben? Mastodon
Mein Fazit:
- Instagram ist es wichtig, die Leute auf der Plattform zu halten. Mastodon ist das egal. Folge: Auf Letzterem werden Links öfter angeklickt.
- Sowohl Algorithmus als auch algorithmusfrei hat Vor- und Nachteile. Algorithmus bringt schnelleren Reichweiten-Wachstum, dafür bedeutet algorithmusfrei weniger Posting-Stress/Druck.
- Die Bubble ist unterschiedlich. Aufgrund der unterschiedlichen Personengruppen, die sich auf den Plattformen tummeln, kann es sich auszahlen, auf beiden Plattformen unterwegs zu sein.
- Instagram ist unterhaltungslastiger, Mastodon informationslastiger.
- Der Altersdurchschnitt auf Mastodon ist höher, der Nerdanteil ebenso.
- Auf Instagram tummeln sich mehr Instagram-Blogger*innen, auf Mastodon mehr Blogger*innen mit klassischem Blog.
- Auf Instagram ist KI trotz lautstarker Kritik innerhalb der Buch-Bubble Alltag (logisch, META ist schließlich ein KI-Unternehmen), auf Mastodon die Ausnahme.
- Barrierefreiheit: Bilder ohne eigenen ALT-Text veröffentlichen? Auf Instagram egal, auf Mastodon ungern gesehen.
Aber: Das alles sind meine (!) Erfahrungen. Wenn du in anderen Fediverse-Bubbles unterwegs bist, sind deine Erfahrungen mit dem Fediverse vielleicht ganz anders.
Und ja: Natürlich ist der Vergleich zwischen Instagram und Mastodon nicht ganz fair, da Instagram eine bild- und videolastige Social Media Plattform ist und Mastodon eine textlastige Mikro-blogging-Plattform. Aber du kannst im Fediverse ja auch auf „klassischen“ Social Media Alternativen unterwegs sein.
Was auch immer die mehr zusagt: Instagram oder Mastodon – du findest mich jedenfalls auf beiden Plattformen:
- Instagram: https://www.instagram.com/domi.caella_schreibt/
- Mastodon: https://literatur.social/@domi_caella_vampirautorin
Lust über den Blogartikel zu reden?
Wenn du Lust hast, über diese Blogartikel zu reden, schreib mich einfach auf Social Media an. Egal ob per DM, in den Kommentaren zu einem meiner Beiträge oder als dein eigener Beitrag (tagg‘ mich einfach, damit ich ihn nicht überseh‘) – ich freu mich schon auf die Diskussion. Du findest mich auf Instagram (https://www.instagram.com/domi.caella_schreibt/) und Mastodon (https://literatur.social/@domi_caella_vampirautorin).

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