Vampirsachbuch-Rezension: “The Threat of the Lesbian Vampire” – Cäcilia Glachs (ⓒ/Auflage 2014)

Übersicht

  1. Inhalt des Buches
  2. Meine Meinung zum Buch
  3. Buchdaten
  4. Hinweis zur Rezension
  5. Lust, über das Buch zu reden?

1. Inhalt des Buches

Bei dem Buch handelt es sich um die Diplomarbeit aus 2011 von Cäcilia Glachs an der Universität Wien zur Erlangung des Titels Magistra der Philosophie (Titel der Diplomarbeit: The Queer Fear: The Threat of the Lesbian Vampire in Sheridan Le Fanu’s Carmilla, Whitley Strieber’s The Hunger and Jewelle Gomez’s The Gilda Stories”), welche in der Folge über den AkademikerVerlag veröffentlicht wurde.

Das Buch beginnt mit einer kurzen Übersicht über die Geschichte der Homosexualität, insbes. ab dem 19. Jahrhundert (Seiten 4 bis 18), und einer noch kürzeren Übersicht über Vampirinnen in Mythologie und Literatur, mit Fokus auf lesbische Vampirinnen (Seiten 19 bis 24). Den Hauptteil des Buches bildet die Analyse der drei Bücher “Carmilla” von Sheridan Le Fanu aus 1872, “The Hunger” (“Der Kuss des Todes”) von Whitley Strieber aus 1981 und “The Gilda Stories” von Jewelle Gomez aus 1991 (Seiten 25 bis 67). Im Mittelpunkt der Analysen steht die Frage, welche “Bedrohung”  queere Vampirinnen, insbesondere in Hinblick auf ihr Geschlecht und ihre Sexualität, für konservative gesellschaftliche Vorstellungen darstellen. Den Abschluss bildet eine kurze Übersicht, was aus wissenschaftlicher Sicht als unheimlich angesehen wird bzw. Unbehagen auslöst und inwieweit die drei analysierten Büchern mit diesen Ängsten spielen (Seiten 68 bis 73).

2. Meine Meinung zum Buch

Der erste Teil des Buches gibt einen interessanten Einblick in die Geschichte der Homosexualität, die Entwicklung der Sexualwissenschaften und die unterschiedliche Behandlung von weiblicher und männlicher Homosexualität sowie die gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen. Interessant fand ich auch die Ausführungen zur gesellschaftlichen Akzeptanz weiblicher Zärtlichkeiten untereinander im 19. Jahrhundert, was insbesondere für die Interpretation von “Carmilla” von Bedeutung ist.

Da es sich um eine Diplomarbeit handelt, ist verständlich, dass viele der Informationen aus dem Buch nicht so weit in die Tiefe gehen können, wie bei längeren wissenschaftlichen Abhandlungen, das Buch gibt jedoch eine gute Übersicht über die Thematik und stellt somit eine gute Ausgangslage für weitere eigene Recherchen dar. Mir gefällt weiters der feministische Fokus der Analyse, der neue Sichtweisen auf die analysierten Bücher ermöglicht.

Die wissenschaftliche Qualität des Buches kann ich mangels ausreichender Kenntnisse der jeweiligen Wissenschaftsgebiete nicht beurteilen, es wirkt für mich jedoch plausibel. Vereinzelte Oberflächlichkeiten sind mir in Zusammenhang mit Vampirliteratur aufgefallen (beispielsweise wenn Carmilla als “the first female vampire with a story of her own” (Seite 78) bezeichnet wird. Das mag für die englisch-sprachige Literatur gelten, lässt aber beispielsweise die französische Literatur außer Acht, die bereits früher Geschichten über Vampirinnen hatten (vgl. Alinska aus “La Vampire” von Étienne-Léon de Lamothe-Langon aus 1825, Clarimonde aus “La Morte Amoureuse” von Théophile Gautier aus 1836). Da der Fokus der Arbeit auf einem anderen Aspekt liegt, stört dies jedoch nicht weiter.

Auf die analysierten Bücher wird selbstverständlich inhaltlich eingegangen. Falls du vorhast, die drei Bücher zu lesen, mach das besser, bevor du zu “The Threat of the Lesbian Vampire” greifst, da dir ansonsten der Inhalt gespoilert wird. Auch wenn es natürlich von Vorteil ist, wenn man die analysierten Bücher kennt, glaube ich, dass man auch ohne Kenntnis der Bücher einen Mehrwert aus “The Threat of the Lesbian Vampire” ziehen kann, wenn man sich für queer-feministische Interpretation von Vampirgeschichten interessiert.

Fazit: Interessante queer-feministische Einblicke in drei lesenswerte Vampir-Bücher und eine gute Ausgangsbasis für tiefergehende Recherchen zur Thematik.

Ist das Buch für dich geeignet?

Das Buch könnte dich interessieren,

  • wenn du die drei analysierten Bücher kennst und dich näher mit ihnen beschäftigen willst, oder
  • wenn du dich allgemein für queer-feministische Interpretation von Vampirliteratur interessierst, aber dich bisher noch nicht wissenschaftlich mit dem Thema auseinandergesetzt hast

Das Buch ist eher nichts für dich,

  • wenn du bereits über tiefergehende Kenntnis über queer-feministische Interpretation von Vampirliteratur verfügst, oder
  • wenn über die titelgebend Fragestellung in Bezug auf die drei analysierten Bücher hinaus eine tiefergehende Auseinandersetzung mit queere Vampirliteratur erwartest.

3. Buchdaten

Titel: The Threat of the Lesbian Vampire
Untertitel: in Sheridan Le Fanu’s “Carmilla”, Whitley Strieber’s “The Hunger” and Jewelle Gomez’s “The Gilda Stories”
Autorin: Cäcilia Glachs
Erscheinungsjahr: © 2014 OmniScriptum GmbH & Co KG (Akademikerverlag, Reihe Geisteswissenschaften)
Sprache: Englisch
Seitenanzahl: 87
Wo ist das Buch erhältlich? Im regulären Buchhandel (leider zu einem sehr stolzen Preis). Die Diplomarbeit ist ausserdem gratis über die Open Access Collection “Phaidra” der Universität Wien abrufbar.

4. Hinweis zur Rezension

Ich habe meine Ausgabe des Buches selbst gekauft und ich erhalte keinerlei Gegenleistung für diese Rezension. Ich habe keinen Auftrag zur Rezensionserstellung erhalten und habe keine Kooperation mit Autor oder Verlag und stehe mit diesen auch in sonst keiner Verbindung.

Eine alphabetische Übersicht all meiner Rezensionen und Buchkurzvorstellungen findest du hier.

5. Lust, über das Buch zu reden?

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